Fidemeister Nikolas Pogan kam, sah und siegte

 02. September 2018

 

Das Rudolf-Hengstler-Gedächtnisturnier hat einen neuen Champion! Nikolas Pogan vom Heilbronner SV, erstmals in Spaichingen am Start,  verwies die früheren Champions David Ortmann und Jörg Schlenker auf die Plätze. 

Einen ausführlichen Bericht, Bilder und die Gesamttabelle gibt es hier . . . 

 

Das tüchtige Siegertrio:

 

von links:

Jörg Schlenker (3.),

Nikolas Pogan (1.),

David Ortmann (2.)

 


Spaichinger Schachturniere   -   Rudolf-Hengstler-Gedenkturniere

      Jedes Jahr ist Spaichingen das Zentrum eines Internationalen Schachfestivals. 1972 wurde das erste Pokalturnier unter der Leitung von Reinhard Haffky und Paul Klein organisiert. Von Jahr zu Jahr wurde das Turnier immer beliebter und der Kreis der teilnehmenden Schachfreunde ging über die Bezirksgrenzen hinaus. Bereits 1978 konnte der Schachring mehr als 100 Teilnehmer verzeichnen. In den Turnieren waren ­bereits Spitzenspieler aus der 1. und 2. Bundesliga, sowie Spieler aus der Schweiz, Frankreich, Ungarn, Polen, den Niederlanden, Rumänien, Lettland und der Ukraine am Start. Unter ihnen waren Titelträger wie Internationale Meister und Fide-Meister, sogar einige Großmeister konnte der Schachring schon begrüßen.

      1982 kam der Spaichinger Spitzenspieler Rudolf Hengstler bei einem Autounfall ums Leben, seither findet das jährliche Spaichinger Turnier zu seinem Gedenken statt.

Das Turnier wird seit 2007 in einem einzigartigen Modus ausgetragen. Gesucht wird der kompletteste Allrounder oder Mehrkampfschachspieler, der sich in 10 Runden mit 5 unterschiedlichen Bedenkzeiten durchsetzen kann. Gespielt werden je 2 Runden mit 5, 10, 15, 20 und 30 Minuten. Begonnen wird mit der kürzesten Bedenkzeit, da hier meist Spieler mit stark unterschiedlicher Spielstärke aufeinander treffen. Jeweils nach 2 Runden erhöht sich die Bedenkzeit, so dass in den entscheidenden Runden um die Preise den Spielern die längste Bedenkzeit zur Verfügung steht. Die Turnierdurchführung erfolgt mit Swiss Chess nach dem Schweizer System (FIDE-Schnellschachregeln).

      Dieses Turnier erfreut sich einer großen Beliebtheit im ganzen süddeutschen Raum und hat schon zahlreiche Spitzenspieler, Internationale Meister, Fidemeister sowie Spitzenspieler aus ganz Europa angelockt. Jährlich nehmen Spieler aus dem mit den Spaichingern befreundeten Montbeliard, Frankreich teil. Des weiteren waren bereits Spieler aus Holland, Russland, Lettland, der Schweiz, Ungarn, der Ukraine und Polen am Start.

      Der Schachring Spaichingen schüttet hierbei jedes Jahr zahlreiche Geld- und Sachpreise aus. Näheres erfahren Sie unter unserer jeweiligen aktuellen Ausschreibung. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

      Seit 2010 findet die Veranstaltung im Musiksaal der Rupert-Mayer-Schule statt. Eine besondere Stütze bei diesem Turnier sind die Frauen des Schachrings Spaichingen, die an den Turniertagen für das leibliche Wohl der Gäste sorgen.


Rudolf  Hengstler (1954-1982)

      Untrennbar mit dem Schachring Spaichingen ist auch der Name Rudolf Hengstler verbunden. Im Alter von 28 Jahren starb der damalige Spitzenspieler der ersten Mannschaft und Jugendleiter des Vereins 1982 an den schweren Verletzungen eines Unfalls.

      Über zehn Jahre war Rudolf Hengstler der beste Spieler im Verein. Doch nicht nur dies: Ab Mitte der 70er Jahre gehörte er auch zu den besten Spielern des gesamten Schachbezirks, und er zählte auch auf württembergischer Ebene zu den etablierten Spielern, was dazu führte, dass er selbst Angebote von renommierten Vereinen wie etwa Solingen erhielt. Es war kennzeichnend für Rudolf Hengstler, dass er diese Angebote ausschlug - um sich umso mehr im Schachring zu engagieren.

      Mit 14 Jahren hatte die Schachkarriere von Rudolf Hengstler begonnen. Durch fleißiges Training steigerte er seine Spielstärke immer weiter und errang dabei bei der Jugend seine ersten großen Erfolge. Er gehörte der Jugendauswahl des Schachverbandes Württemberg an und nahm mit ihr bei Deutschen Meisterschaften teil. Dabei war er an seinem Brett in der Gesamtwertung der Spieler mit dem besten Ergebnis. Unvergessen wird auch sein Erfolg über den russischen Ex-Weltmeister Michael Botwinnik bei einer Simultanveranstaltung in Schömberg sein.

Die Erfolgsliste von Rudolf Hengstler aufzuzählen, hieße Eulen nach Athen tragen: Unzählige Siege und gute Platzierungen bei Schachturnieren der Umgebung gehörten mit dazu. Sein mithin größter Erfolg war aber der vierte Platz beim württembergischen B-Turnier mit dem Aufstieg in das A-Finale. Damit gehörte Rudolf Hengstler zu den zwölf besten Spielern Württembergs. An diesem Turnier konnte er jedoch leider aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen.

      Rudolf Hengstler war nicht nur ein Einzelspieler. Er fühlte sich im Kreis seines Vereins besonders wohl, und mit der ersten Spaichinger Mannschaft feierte er große Erfolge. So führte er die erste Mannschaft des Schachringes Spaichingen aus der A-Klasse bis in die Verbandsliga. Seine Kameradschaft und sein Sportsgeist prägten den Verein. Sie wirken bis heute in den Verein und bestimmen auch als beispielhaft die Zukunft des Schachringes. Er war es, der nicht nur als Jugendleiter und Ausschussmitglied immer auf die Jugendarbeit setzte. Seine Vorstellung war, nach Erfolgen in der Jugendarbeit selbst in der zweiten Mannschaft zu spielen, "denn dann muss die erste Mannschaft ganz gut sein!"

 

      Zu Ehren von Rudolf Hengstler hier seine Simultanpartie gegen den russischen Ex-Weltmeister Michael Botwinnik.

Botwinnik, Michael - Hengstler, Rudolf

07. Mai 1973, Schömberg

 

1.g3 g6 2.Lg2 Lg7 3.Sf3 e5 4.d3 Sc6 5.e4 Sge7 6.c4 d6 7.Sc3 0-0 8.Le3 f5 9.Sd5 f4 10.gxf4 exf4 11.Sxf4 Se5 12.Sxe5 Lxe5 13.Dd2 Sc6 14.Se2 Lg4 15.d4 Lg7 16.0-0-0 De8 17.h3 Lh5 18.Tde1 Df7 19.b3 a5 20.a4 Lf3 21.Lxf3 Dxf3 22.Sc3 Sb4 23.De2 c5 24.Sd5 cxd4 25.Sb4 dxe3 26.Dxf3 Txf3 27.Sd5 exf2 28.Tef1 Te8 29.Th2 Lxd4 0:1

 


Michail Moissejewitsch Botwinnik

(1911-1995)

 

„Schach ist immer ein Spiel, das manchmal zur Kunst wird."

 

 

Dutch National Archives, The Hague, Fotocollectie Algemeen Nederlands Persbureau (ANEFO), 1945-1989